[Sprachwerkstatt] Scheinbar/Zumindestens und weitere Ärgernisse

Als passionierte Korinthenkackerin ist ein eigener Blog (eigentlich eher „das“, oder?) natürlich eine großartige Plattform für sprachliche Missionierungsversuche. Das Ironische daran ist, dass ich selber gerne linguistischen Murks anrichte (siehe „Blog“) und diverse Unpräzisionen (Wortneuschöpfungen behalte ich mir vor!) oder gar Fehler auch in meinen Sprachgebrauch Einzug gehalten haben. Ich lasse es mir in fröhlicher Eigenblindheit aber dennoch nicht nehmen, meine ultimativen Fußnagelhochrollursachen zu bemängeln:

Platz 1 belegt eindeutig „Zumindestens„.
Aua, das tut mir schon beim Lesen weh. Es gibt „zumindest“ und es gibt „mindestens“ – und obwohl ich ein Freund (oder eine Freundin, aber Feminismus in der sprachlichen Ausprägung ist meine Sache nicht) von Wortneukreationen bin, bin ich mit der Kombination daraus nicht einverstanden. Denn ich bin mir ganz sicher, dass mindestens 99% der Verwender dies nicht als bewusste, kreative Äußerung von sich geben, sondern weil sie denken, dass dieses Wort in der Standardsprache existiert. Dem ist nicht so! (Zumindestens noch nicht.)

Platz 2: Scheinbar
„Huch, wie, das gibt’s nicht?“ Doch doch, keine Sorge. Nur wird es sehr oft falsch verwendet. Denn: „Scheinbar“ ist zu gebrauchen, wenn etwas den Anschein hat, als wäre es so, aber man schon weiß, dass dem nicht so ist. (Beispiel: „Ich weiß, der Klaus ist scheinbar ziemlich oberflächlich – aber unterhalt dich mal ’ne Weile mit dem, dann merkst du, dass der viel tiefgründiger ist.“)
Vielleicht ist es eine kleine Hilfestellung, wenn man „scheinbar – aber eben nur scheinbar“ im Hinterkopf behält.
In den meisten Fällen sollte „anscheinend“ das Wort der Wahl sein, denn es trifft keine Aussage darüber, ob etwas tatsächlich so ist oder nicht, sondern sagt wirklich nur aus, dass etwas den Anschein hat.

Platz 3: Duden-Aufreger
Der Duden ist korrupt. Nein Käse, auch der Duden muss sich natürlich dem allgemeinen Sprachgebrauch anpassen, man nennt das Sprachwandel. Und das ist auch schön und gut, aber in diesem Bereich bin ich ein bisschen konservativ und behaupte „Früher war alles besser!“. Früher, da war es schlicht illegitim, „Rudi’s Imbiss“ zu schreiben (gerne auch mit Akzent ´ statt Apostroph ). Und die Mehrzahl von „Kaktus“ war ausschließlich „Kakteen“ – jeder Schüler, der „Kaktusse“ verwendete, hat gepflegt eins auf den Deckel bekommen. Und zwar völlig zu Recht. Heute ist das erlaubt! *röchel* *nach.dem.Asthmaspray.greif*
Nein, früher war nicht alles besser. Dieser Satz ist etwas für die ewig Gestrigen. Aber die eben genannten Beispiele (und es gibt noch zahlreiche Weitere, aber die jetzt aufzuführen ist nicht gut für meinen Blutdruck) sind für mich inakzeptabel.

Und damit das nicht alles so sehr vom hohen Ross herab kommt, hier noch ein paar populäre Fehler, die ich bis vor kurzem auch noch gemacht habe oder sogar teilweise noch mache:

  • ich halte, du hälst,… – Halt Stop! Es heißt tatsächlich „du hältst„. Sieht seltsam aus, ist aber so. Andernfalls müsste es von „halsen“ herrühren.
  • „insofern als“ reicht für gewöhnlich völlig. Ich war lange einer anderen Meinung, insofern als dass ich gern ein Wörtchen zu viel anhängte. (Details und Ausnahmen finden sich hier.)

Bevor dieser Beitrag uferlos lang wird (denn es gibt noch sooo viele Besonderheiten zu beachten, die auch ich noch längst nicht alle beherrsche), verweise ich auf die ultimative Seite für Sprach-Klugscheißer und verabscheue verabschiede mich fürs Erste.

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Über Ego

Jahrgang ’88, Mensch von Hund, Vegetarierin und Teilzeitveganerin, Piercingjunkie, Chemophobikerin (und Raucherin, wie paradox!), Mäuseköttelanspitzerin musikliebend; tierliebend; foto(gra)fierend; kompliziert simpel; realistisch, optimistisch, pragmatisch pessimistisch; hibbelig; (un)geduldig; links, rechts, geradeaus und rückwärts

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