Zwei unendliche Geschichten: Ego und die Identitätsfindung & Ego will’s wissen

Habe ich mich lange Zeit tendenziell dem Lager der „natürlichen Schönheiten“ zugeordnet (ihr wisst schon, der Typ Mädels, über die man „Also die macht aber auch einfach nichts aus sich“ sagt), ist nun endlich der Punkt gekommen, mir mein Tussitum einzugestehen. Der geneigte Leser wird die Schultern zucken und sagen „Na logisch, wer über Nagellack einen ganzen Blog verfasst, der kann nicht so wenig mit der Kosmetikwelt zu tun haben“. Richtig. Nun kommt aber das Phänomen des blinden Flecks in Bezug auf das Selbstbild zum Tragen und lässt mich diese schlichte Tatsache gekonnt ignorieren. Und, sogar noch perfider, quasi ausgleichen, indem ich hocherhobenen Hauptes aus dem Bett ohne Zwischenstopp im Badezimmer zum nächsten Supermarkt marschiere. Also ungeschminkt (was ich sowieso nahezu immer bin), mit ungekämmten Haaren und in Schlafklamotten (mit Hose und Jacke drüber, aber nur aus Temperaturgründen). Bislang.
Jetzt aber ist die Zeit gekommen, mir und meiner Umwelt gegenüber einzugestehen, dass ich schön sein will. Ih. Allein das auszuschreiben fällt schwer. Aber darauf laufen unsere ganzen absurden Bemühungen ja hinaus: Wir wollen schön sein, gut aussehen, gefallen (ob primär uns selbst oder Anderen, sei jetzt mal außen vor gelassen). Und das so zu formulieren, statt im Alltagstrott einfach mitzulaufen, fühlt sich schrecklich oberflächlich an. Ist es das? Oder ist es sogar ehrlicher als bewusst alle „Schönheits“normen zu boykottieren und sich über die ganzen Lemminge zu erheben?
Dazu hätte ich gern eure Meinungen und Gedanken.

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte, war etwas Profaneres zum Stichwort „absurde Bemühungen“: Nämlich das leidige Thema der Körperenthaarung. Abgesehen von den Malessen der Methoden stört mich der Zwang dazu, und ich frage mich, was es damit eigentlich auf sich hat. Bei den Achseln und dem Intimbereich kann ich das ja noch einigermaßen nachvollziehen, Stichwort „Hygiene“. Aber die Beine? Was ist denn da los? Es ist völlig selbstverständlich, dass Frauen an den Beinen keine Haare zu haben haben. Aber warum eigentlich? Also ich persönlich habe auch im tiefsten Single-und-keine-Sexualpartner-verfügbar-Winter keinerlei Probleme mit übelriechenden Waden oder muffigen Knien. Mein Vater hatte die Idee, dass die ganze Enthaarungskiste einem Schönheitsideal des vorpubertären Körpers entspringt. Das finde ich jedoch noch widerwärtiger als die Körperbehaarung an sich und möchte mich meinen Rasierer direkt wegwerfen lassen.
Natürlich könnte ich schlicht Google bemühen, um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen und werde das auch tun. Aber da sich hier viele kluge Leser tummeln, bin ich auch gespannt auf eure Sicht der Dinge. Was hat es mit den haarfrei zu haltenden Beinen auf sich? (Und ärgert ihr euch auch über solche Zwänge, die ihr zwar in Frage stellen könnt, aber doch selber viel zu geprägt seid, um sie einfach zu ignorieren?)

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Über Ego

Jahrgang ’88, Mensch von Hund, Vegetarierin und Teilzeitveganerin, Piercingjunkie, Chemophobikerin (und Raucherin, wie paradox!), Mäuseköttelanspitzerin musikliebend; tierliebend; foto(gra)fierend; kompliziert simpel; realistisch, optimistisch, pragmatisch pessimistisch; hibbelig; (un)geduldig; links, rechts, geradeaus und rückwärts

17 Gedanken zu „Zwei unendliche Geschichten: Ego und die Identitätsfindung & Ego will’s wissen

  1. Boah, ich bin mal wieder der/die/das Erste. Krass.

    1. Schön-Sein-Wollen
    Setzen wir Schönheit = Soziale Akzeptanz/Gruppenakzeptanz, stimme ich dem voll zu. Wir wollen schön und geliebt sein, und freundlich und blablabla. Manche mehr als andere, manche deutlicher, manche weniger deutlich. Das unsere Versuche und Ideale bezüglich der Definition von „Schön Sein“ dabei weit auseinander gehen, erklärt sich allein schon über die unterschiedlichen Gruppenzugehörigkeiten. Je nachdem in welcher Umgebung man sich bewegt kleidet man sich anders, „dem Anlass angemessen“. Es bleibt jedem zu wünschen, dabei ein gesundes Mittelmaß aus „Anpassung“ und „Sich selbst treu bleiben“ zu finden. Auch Rebellion gegen real existierende oder vermeitlich vorhandende Regeln stellt dabei ein Versuch zur Identitätsfindung dar: Wenn ich mich sehr gezielt NICHT anpasse, passe ich mich doch irgendwo wieder an – nur eben woanders. Es gibt nichts neues unter der Sonne mehr, aber das ist an sich ja auch nichts neues.

    Dabei liegt Schönheit im Auge des Betrachters, wie immer. Was der eine schön findet, jagt dem anderen einen Gruselschauer über den Nacken. Unter all dem liegt aber immer(!) ein gesellschaftlicher Minimalkonsens darüber, was „Schönheit“ ist. Minimal kann dabei wirklich minimal sein: Jemand, der sich gerne ein Bein amputieren möchte und das als schön emfpindet, wird nicht als „Auf der Suche nach sich selbst“ eingestuft, sondern als geisteskrank. (Es gibt diese psychische Störung wirklich, aber leider fällt mir gerade ihr Name nicht ein..) Minimalkonsens: Zwei Arme und zwei Beine = schön. Bei durch Unfall/Krankheiten verursachten Amputationen wird der Mitleidsfaktor eingespielt, der Faktor „Schönheit“ wieder aufwiegt.

    2. Enthaarung/Behaarung
    Leider muss ich deinem Vater Recht geben: Auch ich schiebe den Wahn der Haarlosigkeit auf unsere gesellschaftliche Fixierung auf vor-pupertäre Körperformen, die als erstrebenswert angesehen werden. Man sehe sich einmal die gegenwärtige Modelbranche an, in der die dargestellten Körper – Models – zur völligen Androgynität heruntergemagert sind. Bis dahin, das ein Mann Brautkleider vorführt: Andrej Pejic finde ich unsagbar schön, aber auch irgendwie beängstigend. (Meinem persönlichen Ideal entspricht Androgynität, – das spiegelt evtl. meinen eigenen Körperbau – aber mir ist durchaus bewusst, daß das nicht mehr viel mit weiblichen Formen zu tun hat. Das war Disclaimer.. 😉 ). Ich ordne den gegenwärtigen Magerwahn in dieselbe Kategorie ein. (Und verlinke unten einmal auf den besten Blogposts aller Zeiten: Gala Darling, Empty Bellies do not beget genius). Ob man da eine Reduktion bis hin zur eigenen Auslöschung sehen kann? Mädchen sind nicht gefährlich und haben nichts zu sagen. Mädchen tragen Schleifchen. Mädchen halten die Klappe und nicken. Und machen die haarlosen Beine breit.

    Okay, jetzt gleite ich ab. Sorry für die Textwand, aber wer provoziert.. Ich freue mich sehr auf die Kommentare hier, denn das verspricht eine spannende Diskussion. Die wir auch gerne mal per Mail fortsetzen können. Ich habe das, glaube ich, sehr feministisch geprägte Ansichten..

    Und hier der versprochene Link:
    http://galadarling.com/article/empty-bellies-do-not-beget-genius

    • Tja, du bist eben eine sehr treue Kommentatorenseele. 🙂

      Ich kann deinen Ausführungen gar nicht viel hinzufügen, das passt alles so schön. Was ich aber zum gezielten Nicht-Anpassen noch erwähnenswert finde, ist gar nicht so sehr der Punkt, dass es irgendwo eine Ecke gibt, in der genau das wieder der Gruppenidentifikation dient, sondern vor allem, dass man zum Umkehren von Regeln diese ja erstmal anerkennen muss.

      Das mit der Amputationsgeschichte kommt mir auch bekannt vor. Ich glaub‘, das gehört in die Ecke der Dysmorphophobie. *Wikipedia.befrag* Nee, doch nicht so ganz, nennt sich wohl Body Integrity Identity Disorder.

      Wie weit Schönheit wirklich im Auge des Betrachters liegt, ist ja gerade die spannende Frage. Der Minimalkonsens der körperlichen Unversehrtheit mag wohl fast überall gelten und natürlich gibt es etliche verschiedene Schönheitsideale. Die Ursprünge finde ich da wieder spannend. Vieles scheint der Biologie zu entstammen von wegen „sieht gesund aus -> kann gesunde Nachkommen hervorbringen“. Diese ganzen fortpflanzungsrelevanten Faktoren scheinen mir breite Akzeptanz zu genießen. Und dann wieder gibt es Ideale, die ich für kurzlebig und „unnatürlich“ halte, wie ich sie hauptsächlich mit Mode assoziiere (Heroin-Chic, Magerwahn, Androgynität). Da fiel mir übrigens zu deinen Ausführungen auf, dass ich zwei Schönheitsideale habe – Androgynität beispielsweise finde ich durchaus schön – aber nur im Rahmen von Fotos und Videos, also als inszenierte Schönheit. Mein „Alltagsschönheitsideal“, das tiefer sitzt, ist viel mehr auf Weiblichkeit ausgerichtet. Wobei ich auch sagen muss, dass ich mich gerade was den (Frauen-)Körper angeht, ziemlich medial geprägt fühle, da ich tatsächlich am ehesten auf eigentlich schon übertrieben schlank (also nicht klapperdürr, aber schon sehr schlank, flacher Bauch, keine Pölsterchen und so) reagiere. Was ich selbst gar nicht mal so gut finde. (Allerdings muss ich auch sagen, dass sämtliche mich wirklich beeindruckenden Frauen, die ich in meinem Leben so kennengelernt habe, eine „normalere“ bis mollige Figur haben. „Trotzdem“ (oder eher weil es zum Gesamtbild passte) fand ich diese Frauen auf eine viel umfassendere Art und Weise schön, als es allein von der Optik möglich ist.)
      Äh ja, ich verliere hier sämtliche Fäden, darum hör‘ ich lieber auf.

      Aaaber zur Enthaarungskiste hat mich die anniefee ein wenig gerettet mit der These, dass es dabei hauptsächlich um Abgrenzung von Frau zu Mann oder Mensch zu Affe geht. Ich muss sagen, das finde ich ebenso schlüssig wie die Präpubertätskiste, aber weniger widerlich. (Soviel zum Inzesttabu, das ich mal für einen sehr weitreichenden Konsens gehalten hatte. Bis vorgestern.)

      Und jetzt geh‘ ich den Artikel lesen…

  2. Mensch, mal wieder ein sehr schöner Artikel von dir. Man fühlt sich bei dir immer so angesprochen. 😉
    Also ich selbst finde es zwischendurch auch immer mal wieder befreiend, ungeschminkt und ungestyled, mit hinter die Ohren geklemmten Haaren rauszugehen und festzustellen, dass die Leute deswegen noch lange nicht die Straßenseite wechseln oder mit dem Finger auf mich zeigen.
    Diese Situationen helfen mir auch, mit AMUs rauszugehen, bei denen ich denke „Gott ich sehe aus wie (setz was beliebig Unattraktives ein)“.

    Und zur Beinbehaarung: zu meinen traumatischen Jugenderlebnissen gehören die Autofahrten (Plural, kein singuläres Erlebnis) neben meiner Schwester auf der Rückbank. Irgendwann rückte sie immer von mir ab mit den sensiblen Worten: „Mensch du kratzt ja, wie Stacheldraht.“
    Sowas hinterlässt Spuren. Dieselbe Schwester hat übrigens braunes Naturhaar und echte Wildschweinborsten an den Unterschenkeln, weshalb sie sich auch regelmäßig rasiert.

    Wenn man sich damit wohler fühlt, find ichs also okay, aber kein Muss.

    Was mir hingegen in letzter Zeit extrem auffällt, ist der Rasierzwang bei Männern. Und ich red nicht vom Gesicht, sondern vom ganzen Rest des Körpers. Ich lerne in letzter Zeit immer mehr Männer kennen, die sich von ihrer eigenen Körperbehaarung ekeln und sich dauernd komplettrasieren. Ich weiß nicht wies dir geht, aber ich find das total krank.
    Und tatsächlich lernte eine Freundin von mir letztens einen Typen im Internet kennen, den sie nett fand. Nur redete er ständig von seinem Handicap.
    Wir spekulierten schon über einen lipstickgroßen Phallus oder einen Adamsapfel, an den man beruhigt seinen Regenschirm hängen kann. Aber nein, dein Handicap war seine Körperbehaarung. Ernsthaft. Und weil er die als so schlimm empfand, hat er sich auch alles sorgfältig abrasiert. Und blieb dann drei Tage zu Besuch…war wohl, wie mit einem Kaktus zu schmusen. 😄

    Als stolze Besitzerin eines der letzten Exemplare männlicher Exponate mit patentiertem Bearbelly, was nebenbei bemerkt, ein großer Schwulenfetisch ist, wie wir durch unsere Homevideos auf U-tube und die daraus entstehende Fangemeinde feststellen mussten, kann ich das echt nicht nachvollziehen. Was ist nur mit unserem Männerbild los und vor allem mit dem Selbstbild der Männer?
    Ich sags dir, die Schwulen werden die neuen Männer sein, während alle Heteros zu metrosexuellen Schwuchteln mutieren.
    Herrje…

    • Stimmt, die Gammelerlebnisse auch mal umzukehren, darauf bin ich noch nicht gekommen. Irgendwie fühl‘ ich mich als Penner einfach viel unangreifbarer als als überschminkte Tussi. Es erfordert halt wesentlich weniger Mut, einfach erst gar nichts zu versuchen.

      Ooooh, das ist ja mal gemein. Als weibliches Wesen scheinen wir schonmal eh angreifbarer zu sein, wenn’s um solche Dinge geht – und in der Jugend gleich doppelt. Da kommt man dann auch erstmal gar nicht auf das gleiche „Defizit“ beim Anderen. (Ich hab‘ beispielsweise dank eines einzigen Kommentars meines Vaters ewig Komplexe bezüglich meiner vermeintlichen Riesennase gehabt und bin erst viele Jahre später darauf gekommen, dass seine Nase proportional zum restlichen Gesicht viel größer ist als Meine. Aber auf sowas kommt man dann einfach erstmal nicht.)

      Ja, das bemerke ich auch desöfteren mal, aber in den Kreisen, in denen ich mich bewege, ist das (noch?) nicht so stark vertreten. Zum Glück, denn ich find‘ das auch… naja, zu weiblich.^^ Wobei ich mir allerdings vorstellen kann, dass die Komplettrasur in Bodybuilderkreisen nochmal verbreiteter ist, oder?
      Ohja, der Zustand ein paar Tage nach der Rasur ist so viel schlimmer als vorher. Ich hab‘ mir einmal spaßeshalber einen Unterarm rasiert und als das dann alles nachwuchs, hatte ich erstens einen Stachelarm und zweitens das Gefühl, unfassbar viele Armhaare zu haben (zum Glück konnte ich mit dem im Naturzustand belassenen anderen Arm vergleichen und mich dadurch wieder abregen).

      Alles ist irgendwo ein Fetisch. Nur immer wieder seltsam, wenn man wirklich hautnah damit konfrontiert ist.
      Nunja, das Problem an der Sache ist denke ich, dass Frauen als das „schöne Geschlecht“ zwar auch immer dem Zwang unterliegen, aber eben sich auch rausputzen und den eigenen Körper zelebrieren dürfen. Männer dürfen sich die Haare machen und irgendwas mit ihrem Bart anstellen, aber das war’s dann auch fast schon. (Na gut, Kleidung jetzt mal ausgeklammert.)
      Und Schwule, denen ich jetzt einfach mal en gros ’ne Tendenz zum Weiblichen zuschreibe, haben das ganze Rausputzgedöns vielleicht langsam hinter sich, finden’s eher stressig und entdecken die behaarte vollbärtige Steinzeitmännlichkeit wieder.

  3. Natürlich möchten Menschen gefallen. Manche zuerst sich, andere zuerst den Mitmenschen. Beides beeinflusst sich ja.
    Das leugnen zu wollen mag oft nett gemeint sein, wegen Solidarität mit den Entstellten (Leute mit Brandwunden oder üblen Hautkrankheiten etc.) und so, ist aber letztendlich unehrlich. Ich habe das z.B. bei so Autonomen beobachtet, die diese „Fight lookism“-Kampagne schieben. De facto flirtet auch da wieder der attraktivste Mann mit der attraktivsten Frau und nicht mit der Kleinwüchsigen mit der Warze auf der Nase.

    Völliger Jugendwahn und Obeflächlichkeit sind natürlich auch Käse, aber es ist nicht unmoralisch, adrette Haare haben zu wollen (mein aktuelles Problem) oder glitzrige Nägel.

    Haarlose Frauenbeine sollen wohl den Unterschied im Geschlecht betonen und so mehr Geschlechtspartner anlocken. Irgendwann hat sich das Verselbstständigkeit und alle wollten überall weniger Haare, vielleicht auch um sich von den Affen abzugrenzen.

    • Fight Lookism, na guck mal einer schau, was es nicht alles gibt. Klingt für mich nach den berühmten guten Absichten, mit denen man dann aber doch wieder gepflegt vor die Wand fährt.
      An Solidarität mit Entstellten habe ich beim Leugnen-Wollen noch gar nicht gedacht, ist natürlich auch ein Punkt (der für mich aber wohl so nicht funktionieren wird – ich werde Entstellte vermutlich erstmal heimlich angaffen und mich vielleicht sogar abgestoßen fühlen, ja, ich bin furchtbar – aber der Schönheitsfaktor zwecks Kennenlernen wird dann halt durch die Attraktion des Andersartigen abgelöst und bei Vertiefung des Kontaktes ebenso unwichtig wie ein knackiger Hintern).

      Hachja, es ist immer eine Frage des Maßes. Was mich nervt. Extreme sind so viel einfacher, möglichst weit außen ist so bequem, aber den Mittelweg zu finden ist die wahre Herausforderung.

      Die Geschlechtertheorie/Affenabgrenzung gefällt mir unendlich viel besser als die Präpubertätsgeschichte. Danke für diesen Denkausweg. 😉

  4. Es gibt meiner Meinung nach verschiedene Ebenen von Schönheit. Den gesellschaftlichen Konsens und den persönlichen Geschmack. Da gibt es oft Überschneidungen, aber der gesellschaftliche Konsens ist immer das glattgebügelte, ohne Ecken und Kanten. Massengeschmack halt. Wenn ich mit meinen bunten AMUs tagsüber auf die Straße gehe, bin ich mir bewusst, dass das die meisten Leute nicht unbedingt schön finden, sondern vielleicht eher seltsam. Aber ich machs trotzdem, wenn mir danach ist.
    Ebenso traue ich mich mit Übergewicht raus. Das ist allerdings manchmal schon eine größere Überwindung.
    Ich mag Schönheit und Ästhetik und auch Künstliches. Ich mag es nur nicht, wenn das zur Wertung oder Abwertung führt. Und trotzdem kann sich davon niemand freisprechen. Wer hat denn nicht schonmal gedacht „oh Gott wie sieht der/die denn aus?“ Aber meistens kriegt das das „Opfer“ nicht mit und auch derjenige mit den lasterhaften Gedanken hat das nach 2 Minuten wieder vergessen.
    Der Rasurzwang ist (eigene Theorie) dem Hygienewahn unserer Kultur zuzuschreiben. Es könnte ja riechen. Und eklig aussehen tut es auch! Aber warum eigentlich? Weil man damit Ungepflegtheit verbindet. Und auch davon kann ich mich nicht ganz freisprechen. Ich weiß, dass man auch haarig nicht müffelt, wenn man sich regelmäßig wäscht. Aber trotzdem ist da erstmal dieses „ihh Achselhaare“ als erste Reaktion, wenn man doch mal eine Frau sieht, die ihren Achselpelz präsentiert. Das finde ich eigentlich schade. Denn es geht mich nichts an, was andere Leute mit ihrem Körper machen.
    Der Magerwahn ist da wieder eine andere Sache. Den asoziiere ich mit Kontrolle und Disziplin. In unserer Überflusskultur an Verlockungen, ist es nichts besonderes mehr, wenn man sich reichhaltig Ernähren kann. Die Disziplin dem zu entsagen bis hin zur völligen Kontrolle über den Körper manifestiert sich in dem Mager-Ideal. Fett=Faul und undiszipliniert=für die heutige Gesellschaft wertlos. Und da geht es dann wieder nicht nur um Geschmack, sondern um Bewertung. Bis hin zur Grenzüberschreitung, wenn man sein Gegenüber, das nicht dem eigenen Ideal entspricht, aggressiv (!) abwertet. Was ich als generelles Problem sehe. Manchmal hab ich das Gefühl, dass jeder gegen jeden schießt.

    Sorry, falls das alles jetzt etwas wirr war. Aber ich wollte noch was senfen und hatte am Wochenende wenig Zeit und jetzt muss ich auch gleich wieder weg.

    • Hmmm… ich frag‘ mich grade, ob es nicht auch wieder ’nen Sinn hat, dass da Wertung stattfindet. Das Aussehen eines Menschen sagt ja schließlich auch etwas über ihn aus – die Dinge, die er selbst in der Hand hat (wie Schminke, Kleidung, Tattoos etc. pp.), schonmal sowieso, klar. Und wenn das nun gerade den Nerv trifft, den ich nicht leiden kann, aus welchen Gründen auch immer, tja, dann ist das so. (Was natürlich noch lange kein Grund ist, jemanden anzugehen, ganz klar. Aber mal abwertend zu denken oder auch zu lästern, so lang es das „Opfer“ nicht mitkriegt, find‘ ich nicht schlimm. Wir sind keine Engel, wir sind Menschen, und es tut einfach mal gut, seinen Frust auf solchen Wegen abzulassen – oder auch sich selbst zu erhöhen.)
      Ansonsten fällt mir halt wieder die Biologie ein: sieht andersartig/unberechenbar aus -> ist nicht tragbar fürs Rudel. Womit ich gar nichts entschuldigen will, sondern einfach nach ’ner Erklärung für Impulse suchen will, weil ich der Meinung bin, dass wir letztlich immer noch Tiere sind, egal, wie wenig wir das wahrhaben wollen. Was uns dann darüber erhebt, ist, diesen Impulsen nicht blind zu gehorchen. (Wobei halt immer die Frage ist, welche davon gar nicht mal so „schlecht“ sind.)

      Dem Hygienewahn ordne ich das Rasieren von Achseln und Intimbereich auch zu. Aber wie schon im Artikel erwähnt, macht die Beinrasur da für mich dann keinen Sinn.
      Und klar sind wir da alle geprägt, bei mir ist das nichts Anderes: wenn sich jemand im Mini und mit behaarten Beinen präsentiert, denke ich auch erstmal „Ih!“. Vielleicht hat das ein bisschen mit Fayets Ausführungen zu tun, dass bestimmte Normen (und eben auch Schönheitsnormen) der Gruppenakzeptanz dienen, und wer da rausfällt, wird erstmal abgelehnt. Aber schade ist das definitiv. Zumal ich selber ja gar nicht so denken will. Aber da ist einfach mehr Selbstbewusstsein gefragt (im ursprünglichen Wortsinne: sich seiner selbst und auch seinem Denken und Handeln bewusst sein).
      Und gegen das raue Klima hilft wohl nur, es selbst anders zu machen. Von wegen mit gutem Beispiel vorangehen. Auch wenn man manchmal das Gefühl kriegen könnte, das sei eh alles aussichtslos. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
      (Jetzt werde ich langsam wirr, das liegt aber am Unterzucker, darum schwafel ich nicht weiter und mach‘ mir erstmal was zu futtern.) Aber bitte bloß nicht für Kommentare entschuldigen! Ich hab‘ doch zu Gedanken und Meinungen aufgerufen und du hast deinen Senf dazu gegeben, danke dafür. (Und von wegen wirr: Wer seine Gedanken immer ordentlich sortiert hält, der kann nicht viele davon haben. ;))

      • Kommt auf die Wertung an. Ich selber habe lange Zeit negative Gefühle auf andere projiziert. Mittlerweile sind die meisten Leute mir egal, das ist so schön entspannt.
        Stimmt die Beinbehaarung hab ich vergessen. Ich denke, das liegt daran, dass das zur makellos zarten Haut gehört, die Frau zu haben hat. Da wäre es aber auch interessant zu wissen, seit wann es die Beinrasur bei Frauen in unserem Kulturkreis gibt und inwiefern die Mode, das Bein-Zeigen Einfluss darauf haben könnte.

        Ich finde diese Diskussion auch sehr interessant und würde mich einer solchen im kleineren Kreise anschließen, falls Interesse besteht. Meine Mailadresse hast du ja, dadurch, dass ich mich bei dir angemeldet hab zum Kommentieren, oder?

        ung im kleinen KMail-Diskussion anschließen wollen, falls ihr mögt.

      • Das klingt wirklich entspannt, vor allem im Hinblick darauf, dass Andere dich mal (ab)werten könnten. Das selber nicht mehr zu tun, klingt löblich, aber ich zweifle ja doch noch, ob das überhaupt wirklich möglich ist. Also für „Normal“-Menschen, so eine Handvoll „erleuchtete“ sonstwie weise Gestalten mal ausgenommen.

        Hast Recht, an die Mode hatte ich noch gar nicht gedacht. Wikipedia hilft mir leider nicht wesentlich weiter, einzig zur Schamhaarentfernung, die erst seit den 90ern in Deutschland wirklich populär ist.

        Jup, deine Mailadresse habe ich und schreibe dir gleich mal (wobei du meine auch haben müsstest, oder?).

      • Ach, das ist noch gar nichts. Bei mir hat’s letztens auch rumgesponnen, da hatte ich dann fünfmal denselben Satz, aber jedesmal anders verkrüppelt, weil blind getippt. (Hab‘ ich aber ganz schnell wieder gelöscht, ich glaub‘, es hat keiner gemerkt *paranoid.rumguck*.)

  5. Ich knabbere noch immer sehr an den Überlegungen zum Magerwahn. Wobei ich gerne eine Grenze zwischen „Magerwahn“ und „Essstörung“ ziehen will. Ob das eine mit dem anderen so wahnsinnig viel zu tun wage ich zu bezweifeln. Die Vorstellungen der Gesellschaft über das perfekte Aussehen spiegeln sich zwar in der Reaktion der Essgestörten wieder, aber die Faktoren, die dann letztendlich zur Erkrankung führen gehen doch viel tiefer. Da fällt mir spontan „Kontrolle“ ein, oder gezieltes Verweigern bestimmter Dinge, Abneigung gegen den eigenen Körper/die eigene Person usw. Ob es da tatsächlich am Ende darum geht, sich anzupassen weiß ich nicht. Da schießt eher „jeder gegen sich selbst“, bis hin zur Auslöschung.

    Eine Ansammlung sehr interessanter Gedanken ist das hier.. da werde ich noch eine Weile drüber nachdenken.

    • Hm, ich bin mir nicht so sicher, ob diese Grenze wirklich so klar zu ziehen ist. Selbstverständlich ist ’ne richtige Essstörng tiefergehend als „nur“ das Übernehmen eines ungesunden Schönheitsideals. Und ich stimme zu, dass es nicht vornehmlich um Anpassung geht. Aber das krank-schlanke Schönheitsideal liefert halt die Richtung für die Selbstzerstörung. Und ich denke mal, dass es ohne dieses Magerideal nicht so viele Magersüchtige und Bulimiker gäbe (einige sicherlich noch, aber eben nicht solche Massen). Natürlich immer noch Leute, die irgendwas über essen zu kompensieren versuchen, das ginge dann mehr in Richtung Binge-Eating oder Adipositas. Was ja auch ein großes Problem ist. Aber ohne das Schlankheitsideal wäre das vielleicht auch weniger extrem, weniger leidbehaftet (ich rede nur von „weniger“, nicht von „gar nicht“!), weil einfach weniger „Schamzwang“.
      Okay, ich drifte ab.
      Jedenfalls bin ich der Meinung, dass Magerwahn und Essstörung definitiv nicht synonym zueinander sind, aber schon recht viel miteinander zu tun haben. Eine Essstörung ist nur einer von unendlich vielen Wegen, die Flucht vor sich selbst und vor allem den eigenen Gefühlen zu ergreifen. Aber ohne Magerwahn wäre wahrscheinlich die Zahl derer, die jetzt genau diesen Weg gehen, geringer. Dann würden sich eben mehr Menschen prostituieren, verletzen, klauen, Zwänge entwickeln, Drogen nehmen etc. pp.
      Außerdem sind Magerwahn und Essstörung für mich zwei Symptome derselben Gesellschaftskrankheit: Dass uns beigebracht wird, dass unser Körper dann toll ist, wenn er gut aussieht (statt dass der Wert des Körpers darin gesehen wird, was wir mit ihm alles anstellen können und wieviel Genuss er uns auch bringen kann o. Ä.).

      [Edit: Achja, den Artikel hab‘ ich gelesen, der ist wirklich klasse. Danke für den Link, den werd‘ ich sicher auch noch weiterverbreiten.]

      • „Eine Essstörung ist nur einer von unendlich vielen Wegen, die Flucht vor sich selbst und vor allem den eigenen Gefühlen zu ergreifen. “

        Den Satz unterschreib ich Dir.

        Ich werde über das Thema nachdenken und meine Gedanken mal per Mail mitteilen.. ich fürchte, sonst in privates Gequassel abzudriften, und das interessiert deine Leser ja nicht wirklich. 😉

        Freut mich, das Dir der Artikel gefallen hat! Mir hat er damals schlagartig die Augen geöffnet , und ich habe ihn immer als Bookmark zur Hand. Du glaubst nicht, wie oft mir das schon geholfen hat.. deswegen: Share the love and spread the word.

      • Na ob das nicht interessiert, da habe ich erhebliche Zweifel. Wir sind doch alle Voyeure. 😉
        Aber ich glaube auch, dass wir das lieber per Mail fortsetzen. Auch mein Exhibitionismus hat seine Grenzen.^^

  6. Sehr interessante Themen und irgendwie fühle ich mich nicht in der Lage etwas intelligentes dazu zu sagen, meine Vorredner haben schon ganze Arbeit geleistet, dagegen kann ich nur noch nen feuchten Pups machen.

    Zum ersten:
    Leider bin ich mir nicht so sicher ob ich die Thematik richtig verstanden habe, wenn das jetzt irgendwie deplatziert rüberkommt bitte ich um entschuldigung. *drop*
    Ich denke beides ist OK, solange man auch dahinter steht. Was nützt einem persönlich sich gegen etwas aufzulehnen oder bei etwas mitzulaufen bei dem man sich nicht wohlfühlt oder sogar das Gegenteil will. Nur um sich damit profilieren zu können sich von der Masse abzuheben, um die Einzigartigkeit unter tausend Indiviudalisten zu sein? Es ist mir einfach eine Freude mich morgens nach dem duschen an meinen Schreibtisch zu setzen und mich für mich hübsch zu machen denn dafür tue ich es ja, für mich. Schön sein zu wollen ist denke ich etwas normales, egal auf welcher Ebene. Optisch wie auch charakterlich. Und auch hässlich sein zu wollen, wie gesagt, solange man dahinter steht und es einen glücklich macht.

    Zum zweiten:
    Warum sich die halbe Welt vor ihren Körperhaaren ekelt wurde ja schon ausreichend erläutert und ich denke dass jede Theorie irgendwie passt…
    Nun, hier kann ich also nur meine persönliche Ansichten teilen wenn diese überhaupt interessant sind… hm, ich habe nichts gegen Körperbehaarung. Im Gegenteil, an Männern finde ich Behaarung durchaus attraktiv und an Frauen nunmal menschlich. Rasieren der Hygiene zu liebe ist ein Grund aber wenn ich z.B. mein Duschverhalten überdenke wasche ich meine Kopfhaare seltener (alle 2 bis 3 Tage) als ich meinen Körper und die daran befindlichen Körperhaare wasche, denn das tue ich täglich. Eigentlich müsste man sich eher vor meinem Kopf als vor meinen Achselstoppeln ekeln *g*
    Doch selbst wenn ich diese Einstellung habe unterliege ich auch irgendwie dem Drang mich überall zu rasieren, es gefällt mir an mir halt.

    Liebe Grüße,
    die müde Tüdellütti… höhö… die Müdellütti

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