Die „Da ist noch was drin!“-Neurose

Ich bin des Aufbrauchers Freund.

Es gibt Menschen, die unbekümmert Dinge – wie zum Beispiel Kosmetikprodukte – wegschmeißen. Und es gibt die Aufbraucher, denen es geradezu Bauchschmerzen bereitet, auch nur 1 µl (sprich: „Mikroliter“, der kleinere Bruder es Milliliters, Anm. d. Red.) „Produkt“ zu vergeuden.
Das äußert sich einerseits in gewissen Gewissenskonflikten beim Anspitzen eines Kajals, die nicht selten in ein fruchtloses Brainstorming zu der Frage, was man mit den weggespitzten Minenresten noch anstellen könnte, münden. (Die Verwendung als Kinderschminke entfällt mangels bemalbarer Kinder.)
Andererseits ergeben sich daraus Entsorgungsproblematiken. Die Kosmetiklandschaft birgt dabei einige Tücken: Während es leicht entleerbare Verpackungen wie Cremetiegel oder flüssigkeitsbefüllte Flaschen gibt,
gibt es auch Produkte, die den Aufbraucher um seinen Schlaf und Seelenfrieden bringen. Da wären z. B. Pumpspender, lotionsbefüllte Flaschen und – besonders perfide – Tuben. Je nach Material gibt es ergeben sich Unterschiede:

Plastiktuben lassen sich nur streichen – man könnte sie aufschneiden, aber das birgt Hygienerisiken.

Metalltuben lassen sich zwar aufrollen, aber kurz vor Verschluss ist Schluss. Weiteres Verformen des Restmaterials führt nicht selten zu scharfen Kanten und Spitzen, die Verletzungsgefahr ist enorm.
Kurzum: Tuben sind der Erzfeind des Aufbrauchers. Ist ein Aufbraucher mit einer solchen Verpackung – bzw. deren anstehender Entsorgung – konfrontriert, ist er Tag und Nacht nur noch zu einem einzigen Gedanken fähig: „Da ist noch was drin!“
Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Prioritäten er setzen möchte. Ich jedenfalls werde in Zukunft auf Hand- und Zahncreme und damit diese enorme nervliche Belastung verzichten. Wer braucht schon zarte Hände und frischen Atem? (Über die Auswirkungen auf mein Sozialleben werde ich zu gegebener Zeit berichten. Vielleicht.)

Und ihr – Seid ihr Wegwerfer oder Aufbraucher? Falls Letzteres: Wie stark beeinträchtigt euch das im Alltag, allein schon emotional? Und könnt ihr den regelrechten Hype um Zahnpasta verstehen?

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Über Ego

Jahrgang ’88, Mensch von Hund, Vegetarierin und Teilzeitveganerin, Piercingjunkie, Chemophobikerin (und Raucherin, wie paradox!), Mäuseköttelanspitzerin musikliebend; tierliebend; foto(gra)fierend; kompliziert simpel; realistisch, optimistisch, pragmatisch pessimistisch; hibbelig; (un)geduldig; links, rechts, geradeaus und rückwärts

3 Gedanken zu „Die „Da ist noch was drin!“-Neurose

  1. Der Endgegner des Aufbrauchers sind ohne Frage Glasflakons! Gern genutzt für flüssiges Make up (Catrice, ich verfluche dich!)! wird es einem schlicht unmöglich gemacht die teuer bezahlen Überreste da rauszukratzen, egal welcher Hilfmittel man sich bedient. Würde ich nicht so ungern Staubsaugen und das Verletzungsrisiko weniger scheuen, würde ich sie vor Wut aufschlagen!

  2. Ich bin ein Zerschneider. Ich zerlege. Alles. (Außer den vielbesungenen Glasflakons, aber sowas habe ich sowieso nicht. Viel zu edel.) Zahnpastatuben, Gesichtscreme.. was man aufschneiden kann wird geschnitten. Da kenne ich kein Pardon. (Besonders mies war meine Gesichtscreme: „Gefühlt leer“, beim Aufschneiden noch genug drin für einen Monat. Bei 22 Euro Anschaffungspreis kein kleiner Rest.. Grmpf.)

    Zahnpasta wird überbewertet. Ich kaue seit neustem auch auf Stöckchen rum, und so..

    • Glasflakons zu edel, aber ’ne 22-€-Gesichtscreme, alles klar. 😉 (Ein-Monats-Rest ist wirklich heftig, da hat sich’s ja wahrlich gelohnt.) Ich sollte mir das Zerschneiden wohl auch angewöhnen, aber wie bewahrt man dann das Zeug hygienisch auf? (Kannst ja mal ein How-To machen, wenn dir langweilig ist. Kosmetikgemetzel fänd‘ ich sehr interessant. ;))

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